Alles-oder-Nichts-Regel fällt weg

News bei Versicherungen

07-01-2008
Versicherer dürfen die Zahlung nicht mehr komplett verweigern, wenn der Kunde einen Versicherungsschaden grob fahrlässig verursacht. Die alte „Alles-oder-Nichts“-Regel wird im neuen Versicherungsvertragsgesetz, das ab 1. Januar 2008 gilt, durch eine Quotenregelung ersetzt. Der Versicherer darf die Leistung je nach Schwere des Eigenverschuldens nur noch anteilig kürzen. Genaue Abstufungen macht das Gesetz nicht. Vollständig verweigern kann der Versicherer die Regulierung allerdings nur noch, wenn der Kunde den Schaden vorsätzlich – also absichtlich – verursacht hat.

Bisher konnten Sachversicherer Leistungen bei grob fahrlässigem Verhalten des Kunden per Vertragsklausel ausschließen. Sofern eine solche Klausel bestand, musste der Versicherer nicht zahlen, wenn der Kunde nicht umsichtig genug gehandelt hatte. Nur wenn ihm lediglich einfache Fahrlässigkeit vorzuwerfen war, behielt der Versicherte vollen Entschädigungsanspruch, es galt das Prinzip „Null oder 100 %“. Als Versicherungskunde blieb man oft vollständig auf seinem Schaden sitzen, wenn man eine Kerze brennen ließ und dadurch einen Wohnungsbrand auslöste oder mit dem Auto bei leicht überhöhter Geschwindigkeit von der Straße schlitterte und einen Vollkaskoschaden hatte. Zukünftig muss der Versicherer den Schaden unter Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalls zumindest zum Teil bezahlen, auch wenn man als Kunde fahrlässig war. Wer also auf nasser Straße mit dem Auto wegrutscht und einen Blechschaden hat, braucht sich vom Kfz-Vollkaskoversicherer nicht mehr pauschal mit der Begründung abweisen lassen, er hätte seine Fahrweise eben den Straßenverhältnissen anpassen müssen.

Experten sehen in der Neuregelung eine deutliche Verbesserung für die Verbraucher, aber auch erhöhtes Streitpotential zwischen Versicherern und Kunden – solange, bis die Gerichte entsprechende Grundsatzentscheidungen gesprochen und praktikable „Mustertabellen“ zum Grad des Eigenverschuldens in Versicherungsfragen entwickelt haben. Fachleute empfehlen ohnehin verbraucherfreundliche Verträge, die im Kleingedruckten ganz auf den Einwand grober Fahrlässigkeit verzichten.
Finanzenchannel.de
Finanzen | Kredit | Versicherungsvergleich