Pflegezusatzversicherung

Artikel bei Krankenversicherung

15-04-2005
Häufig wird die Frage gestellt, wer für die Pflegekosten von Angehörigen aufkommen muss, wenn das eigene Einkommen des Pflegebedürftigen zusammen mit den Leistungen aus der gesetzlichen Pflegepflichtversicherung nicht ausreicht, um die Kosten eines Pflegeheimplatzes zu bestreiten. Reichen diese Zahlungen nicht, wird in aller Regel das Sozialamt die Kosten übernehmen, nachdem eigene Reserven und Vermögen aufgebraucht sind. Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Sozialamt auch nahe Angehörige, meist Kinder, zur Kasse bitten. Wer sein Leben lang für sich allein aufgekommen ist, will bei Pflegebedürftigkeit ungern jemandem auf der Tasche liegen. Deshalb lässt sich die finanzielle Lücke durch eine private Pflegezusatzversicherung schließen.

Weil jede Eigenvorsorge den Staat entlastet, der sich der Versorgungslücken bewusst ist, gibt er einen bescheidenen Anreiz zur Selbsthilfe: Alle nach 1957 Geborene dürfen Beiträge zur privaten Pflegezusatzversicherung bis 184,00 Euro pro Jahr im Rahmen der steuerlichen Sonderausgaben geltend machen. Nur aufgrund des Steuervorteils eine derartige Versicherung abzuschließen, wäre allerdings der falsche Weg. Ohne Nachteile sind ohnehin keine der angebotenen Zusatzversicherungen. Die Zusatztarife werden in drei verschiedenen Arten von privaten Kranken- oder Lebensversicherungsunternehmen angeboten:

• Pflegerentenversicherungen
• Pflegekostenversicherungen
• Pflegetagegeldversicherungen

Die Pflegerentenversicherung ist grundsätzlich nicht zu empfehlen. Hierbei handelt es sich um eine intransparente Kombination aus Versicherungsschutz (gegen Pflegebedürftigkeit und Tod) und einem unrentablen Sparvertrag. Die Beiträge hierfür sind erheblich zu hoch. Besser ist es, nur das reine Pflegerisiko abzudecken und darüber hinaus zur Verfügung stehendes Kapital selbst anzulegen.

Die Pflegekostenvariante orientiert sich an der gängigen Praxis der Krankenversicherer: Erstattet werden die tatsächlich entstandenen Kosten (bis zu einem bestimmten Höchstbetrag oder Prozentsatz), die durch Rechnungen nachzuweisen sind. Damit passt sie sich automatisch der Kostenentwicklung an. Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung muss der Versicherte allerdings selbst tragen.

Demgegenüber wird bei der Pflegetagegeldvariante ein vereinbarter Geldbetrag pro Tag versichert. Für jeden Tag, an dem der Versicherte ärztlich nachgewiesen pflegebedürftig ist, wird ohne einen Nachweis der tatsächlichen Kosten das Tagegeld bezahlt. Wieviel Tagegeld der Versicherte tatsächlich bekommt, hängt von der Pflegestufe ab. Den vollen Tagessatz gibt es erst bei Pflegestufe III. Viele Versicherungsunternehmen behalten sich vor, die Einstufung des medizinischen Dienstes der Krankenkasse noch einmal selbst überprüfen zu lassen.

Bei allen Pflegezusatztarifen gilt, dass die Beiträge mit zunehmendem Eintrittsalter steigen. Frauen zahlen aufgrund der höheren Lebenserwartung höhere Beiträge als Männer.

Wie wichtig ist Pflegezusatzversicherung?

Eine private Pflegezusatzversicherung sollte in der Prioritätenliste der privaten Versicherungen weit am Ende stehen und wirklich erst dann abgeschlossen werden, wenn alle anderen wichtigen Versicherungen bestehen.

Das Argument der Versicherungsbranche für die private Pflegezusatzversicherung, dass die Leistungen der Pflegepflichtversicherung nicht ausreichen, um einen Heimplatz zu bezahlen, ist falsch: Bei einer Heimpflege werden (in Härtefällen) bis 1.688,00 Euro pro Monat gezahlt. Dieser Betrag wird sich ständig erhöhen, entsprechend den Kostensteigerungen. Nun soll aber die Pflegepflichtversicherung nicht alle Heimkosten erstatten und der Pflegebedürftige bzw. seine Familie Einnahmen - wie z. B. die Rente - nicht einsparen und für andere Zwecke ausgeben können. Davon sollen und können auch in aller Regel die sogenannten "Hotelkosten" bezahlt werden, also die Kosten für einen normalen Lebensunterhalt, die sonst auch angefallen wären (Essen, Trinken, Wohnen usw.).

Für die Zeit des Erwerbslebens ist die wesentlich wichtigere private Berufsunfähigkeitsversicherung mit ihrer monatlichen Rentenzahlung bei Pflegebedürftigkeit durch Krankheit und Unfall auch eine Art "Pflegezusatzversicherung", wie auch die private Unfallversicherung und die Berufsgenossenschaft (beschränkt auf Unfälle bzw. Berufsunfälle).



Wie hoch?

Wer eine private Pflegezusatzversicherung abschließen will, sollte sich, da die einzelnen Angebote der Gesellschaften recht unübersichtlich und häufig auch nicht zweckdienlich sind, die Vorschläge der Versicherungsunternehmen genau ansehen. Oft bleibt aber ein erhebliches Restrisiko.

KÜNDIGUNG

Eine Kündigung durch den Versicherungsnehmer muss schriftlich erfolgen. Sie sollte immer per Einschreiben direkt an die Versicherungsgesellschaft geschickt werden. Die Kündigungsfrist beträgt drei Monate zum Ende eines Versicherungsjahres.
Ein Sonderkündigungsrecht besteht, wenn der Versicherer die Beiträge erhöht. Dieses muss innerhalb eines Monats nach Mitteilung über die Prämienerhöhung ausgeübt werden. Sie wird dann zu dem Zeitpunkt wirksam, ab dem die Änderung gilt. Wird diese Frist versäumt, können Sie sich auf das außerordentliche Kündigungsrecht nicht mehr berufen.

Quelle:BdV

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