Was versteht man unter marktneutralen Strategien?

Artikel bei HedgeFunds

15-04-2005
Bei der Beurteilung der marktneutralen Strategien wird oft der Fehler begangen, den Begriff „marktneutral“ mit „risikolos“ gleichzusetzen. Die ursprüngliche Strategie bestand darin, Finanzprodukte an unterschiedlichen Orten gleichzeitig zu kaufen und zu verkaufen (Arbitrage). Noch in den Achtzigerjahren ließen sich zwischen den deutschen Börsenplätzen mit derartigen Transaktionen Gewinne erwirtschaften. Heute sind aufgrund der technischen Entwicklung derartige Preisunterschiede kaum noch möglich. Nunmehr versteht man unter Arbitrage eher den gleichzeitigen Kauf und Verkauf von ähnlichen Wertpapieren, die ungewöhnliche Preisdifferenzen zueinander aufweisen.

Das Marktrisiko, dass sich beispielsweise Aktienindizes oder Zinssätze verändern, sollte bei einer klassischen Arbitrage- Operation vollkommen ausgeschlossen sein. Durch die wachsende Anzahl der global verfügbaren Finanzinstrumente, die Verfügbarkeit von Preisinformationen in Echtzeit sowie die Entwicklung immer neuer Fremdfinanzierungsinstrumente steigen auch die Möglichkeiten, Arbitragegeschäfte zu betreiben. Die wichtigsten Strategien sind die Anleihen-, die Wandelanleihen und die Statistische Arbitrage. Andererseits ist die Anzahl der Arbitrageure so stark gewachsen, dass eine Reihe großer Arbitrage-Funds keine neuen Gelder mehr annimmt. Marktneutrale Strategien haben die größten Beschränkungen hinsichtlich der Kapazität. Marktneutrale Strategien zeichnen sich fast allesamt durch eine hohe Komplexität der betroffenen Wertpapiere sowie den Einsatz von Fremdkapital und derivativer Finanzinstrumente aus. Arbitrage-Strategien setzen immer auf die Verringerung beziehungsweise den Abbau von Preis- oder Renditeunterschieden von zwei Finanzinstrumenten (Konvergenz). Da sich dieser Konvergenzprozess über längere Zeiträume hinziehen kann, sind Fristen, in denen der Anleger nicht über sein Kapital verfügen kann (Lock-up-Periode), von bis zu mehreren Jahren denkbar.

Die vermeintlichen Bewertungsunterschiede sind häufig nur sehr geringfügig und können daher nur mit einem hohen Fremdkapitaleinsatz zu einem für Anleger attraktiven Gewinnpotenzial angehoben (leveraged oder gehebelt) werden.

Dieser hohe Fremdkapitaleinsatz muss aber nicht unbedingt riskant sein: Erscheint einem Manager beispielsweise der Renditeunterschied zwischen 3- und 3,5-jährigen Bundesanleihen außergewöhnlich hoch, ist bei dieser Strategie auch unter hohem Fremdkapitaleinsatz ein großer Verlust unwahrscheinlich. Wichtig ist es, sich bei einem hohen Fremdkapitaleinsatz ausschließlich in hoch liquiden Produkten zu bewegen. Andernfalls können die Marktpreise der Instrumente aufgrund fehlender Liquidität in Krisenzeiten sehr stark ausschlagen und den Manager zu einem vorzeitigen und verlustreichen Auflösen der Arbitrage-Positionen zwingen. Dieser Zwang besteht insbesondere bei einem hohen Fremdkapitaleinsatz, wenn sich die vermeintliche Falschbewertung weiter ausdehnt und die dadurch entstehenden Verluste das Eigenkapital schnell aufzuzehren drohen.
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