Was versteht man unter Long-Short-Strategien?

Artikel bei HedgeFunds

15-04-2005
Der Begriff Long-Short-Strategie beschreibt, dass der Fundsmanager sowohl klassische Anlagegeschäfte (Kauf von Finanzinstrumenten = Long-Geschäfte) als auch Leerverkäufe (= Short-Geschäfte) tätigt.

Long-Short-Manager sind die traditionellen Hedge-Fund-Manager im Sinne der in der Einleitung beschriebenen Strategie. Neben klassischen Anlagen treten hier Leerverkäufe sowie der Einsatz von Fremdkapital. Der Einsatz von Fremdkapital erlaubt es, die Wertentwicklung im Verhältnis zum eingesetzten Kapital zu steigern. Dies wird allerdings nur erreicht, wenn die Erträge aus dem getätigten Investment positiv sind und die Kosten (= Zinsen) der Fremdkapitalfinanzierung übersteigen. Durch Leerverkäufe (Verkauf von zu teuer erachteten Finanzinstrumenten, die man nicht im Besitz hat, mit dem Ziel, diese später billiger zurückzukaufen) ergibt sich die Möglichkeit, auch von fallenden Marktpreisen zu profitieren. Wenn Derivate für die zu verkaufenden Titel existieren, kann der Leerverkauf auch durch eine Short-Position am Terminmarkt ersetzt werden. Hervorragende Renditen in der Vergangenheit haben das Anlegerinteresse auf diese Stilrichtung gelenkt. Es gilt jedoch, die Renditen zum Fremdkapitaleinsatz und somit zum eingegangenen Risiko ins Verhältnis zu setzen. So war es durch den starken Anstieg der Aktienmärkte in den Neunzigerjahren vergleichsweise einfach, mit fremdfinanzierten Aktienkäufen sehr hohe Renditen zu erzielen. Long-Short-Funds investieren in der Regel in ein diversifiziertes Portfolio auf der Long- (= Investitions-) und der Short- (= Leerverkaufs-)Seite. Durch den gleichzeitigen Kauf und Verkauf von Wertpapieren wird die Bedeutung der Titelselektion gesteigert. Häufig werden so genannte „pairs trades“ durchgeführt: Eine unterbewertet erscheinende Aktie wird gekauft und eine überbewertet erscheinende Aktie des gleichen Sektors im gleichen Umfang leerverkauft. Dadurch entsteht ein neutrales Portfolio, das von der allgemeinen Marktentwicklung unabhängig ist; lediglich die relative Kursentwicklung der beiden gewählten Aktien zueinander ist für die Wertentwicklung von Bedeutung. Entwickeln sich beide Aktien im gleichen Maße nach unten oder oben, liegt die Gesamtperformance bei null.

Neben den herkömmlichen Managern, die in breit diversifizierte Portfolios investieren, erscheinen inzwischen vermehrt Manager mit länder- oder sektorbezogenem Spezialwissen am Markt, deren Funds dann ausschließlich in den jeweiligen Segmenten investieren.

Eine weitere Sonderform stellen die reinen Short-only-Manager dar. Deren Portfolios setzen sich ausschließlich aus leerverkauften Titeln zusammen. Sie bilden den Gegenpart zum klassischen Aktieninvestor. Auch sie sind rein direktional ausgerichtet – jedoch auf fallende Märkte. Die kräftige Aufwärtsbewegung der Aktienmärkte in den Neunzigerjahren hat diesen Funds enorme Verluste beschert. Während sich 1990 das Volumen der reinen Short-Funds noch auf etwa 3,5 Milliarden US-Dollar belief, haben Mittelabflüsse und die Kursbewegungen das Investitionsvolumen bis zum Ende der Neunzigerjahre in diesem Segment auf wenige hundert Millionen US-Dollar reduziert. Die Anleger in Short-Funds stehen oft vor einem psychologischen Problem: Sie erleiden dann deutliche Verluste, wenn sich die Masse der Anleger über Gewinne aufgrund steigender Aktienkurse freut. Verluste lassen sich aber eher dann verwinden, wenn sie durch fallende Aktienmärkte hervorgerufen werden und die Mehrzahl der Investoren betreffen. Problematisch ist die Informationsbeschaffung für die Short- Manager. Das Management von Aktiengesellschaften empfängt lieber Manager von klassischen Investmentfunds, die im Anschluss an die Gespräche zu potenziellen Käufern ihrer Aktie werden, als Fundsmanager, die am Ende der Unterhaltung zu dem Ergebnis kommen können, die Aktien der Gesellschaft zu verkaufen und somit den Kurs zu belasten.
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