Wie verhält es sich mit der Reputation von HedgeFunds?

Artikel bei HedgeFunds

15-04-2005
Hedge-Funds, deren Manager und Transaktionen sind von der Presse gern behandelte Themen. Allerdings wird meist nur über Ausnahmesituationen berichtet. Derartige Publikationen werfen häufig ein falsches Licht auf das gesamte Universum der Hedge-Funds. Insbesondere Fehlspekulationen und außergewöhnliche Wertentwicklungen bieten die Grundlage für viele Artikel der Finanz- und Wirtschaftspresse. Hierbei kommt es oftmals zu Verzerrungen. So titelte eine Finanzzeitung, ein Hedge-Fund habe an einem Tag 15 Prozent verloren, um sich am Folgetag zu berichtigen, da es sich bei dem Abschlag um eine an die Anleger ausgeschüttete Dividende handelte. Bei unerklärlichen Kursbewegungen an den Finanzmärkten werden oftmals Hedge-Funds als Auslöser vermutet und angeprangert. Kritiker bezeichnen Hedge-Funds als rücksichtslose profitgierige Spekulanten, Bezwinger von Notenbanken und Gefahrenherd für das ökonomische Gleichgewicht, während Befürworter sie als nützliche Investments zur Portfoliodiversifikation und als Verbesserer der Effizienz der Kapitalmärkte und somit letztlich der Weltwirtschaft sehen.

Das Verhalten der Hedge-Fund-Manager selbst trägt zu diesem ambivalenten Bild entscheidend bei. Nur wenige veröffentlichen ihre Ideen und Handelsstrategien, und wenn, dann auf sehr theoretischem Niveau, um keine Trittbrettfahrer anzuziehen. Sie pflegen ihren Mythos, und die prominentesten unter ihnen haben mittlerweile längst einen Gurustatus erreicht. Ihre Analysen und Bemerkungen können die Märkte bewegen. Die Turbulenzen der Finanzmärkte und die darauf basierenden Schwierigkeiten einiger Hedge-Funds im Herbst 1998 haben die Hedge-Fund-Industrie stark in den Blick der Öffentlichkeit gerückt.

Der Fast-Zusammenbruch des unter anderem von Wirtschaftsnobelpreisträgern mitbetreuten LTCM-Funds hallte durch die Medienlandschaft und erwies seinen vielen kleineren Hedge-Fund-Kollegen keinen guten Dienst. Auslöser für die großen Schwierigkeiten des Funds waren Turbulenzen an den so genannten Emerging Markets. Die Einstellung der Tilgungs- und Zinszahlungen Russlands führte zu einer generellen Flucht aus risikobehafteten in sicherere Anlagen. Dies bewirkte, dass die Zinsdifferenz zwischen Staatsanleihen der großen und etablierten Industrienationen und sich entwickelnder Nationen sprunghaft anstieg. Dabei kam es außerdem zu Engpässen in der Liquidität an den Märkten. Ein Verkauf der Staatsanleihen der Emerging-Market-Staaten war nur noch mit deutlichen Preisabschlägen möglich. Da der LTCM-Fund eine Fixed Income Arbitrage-Strategie verfolgte, die unter anderem auch in russische Staatsanleihen investierte, wurde das Eigenkapital des Hedge-Funds signifikant reduziert. Aufgrund der gestiegenen Risiken mussten zudem die kreditgebenden Banken ihre Sicherungsforderungen erhöhen. Hätten in dieser Situation die US-Notenbank und viele Großbanken den LTCM-Fund nicht mit Liquidität unterstützt und somit Schlimmeres verhindert, wäre der Fund gezwungen gewesen, seine Positionen aufzulösen. Dies hätte zu weiteren Verlusten beziehungsweise zu dramatischen Markt- und Preisverwerfungen geführt. Die Banken wurden so quasi Eigentümer des LTCM-Hedge-Funds. Gegen Jahresende 1998 bewegten sich die Zinsdifferenzen wieder auf einem normalen Niveau.

Ein Arbitrageur, der ausschließlich mit Eigenkapital gehandelt hätte, wäre im Herbst nicht gezwungen gewesen, seine Positionen aufzulösen und hätte diese hektische Marktphase verlustfrei überstanden. Der Herbst 1998 hat bei allen Kapitalmarktakteuren Spuren hinterlassen. Zuerst gab es in den Reihen privater Anleger eine große Verunsicherung, die auch zahlreiche Rückgaben von Hedge-Funds-Anteilen zur Folge hatte. Diese Reaktion war auf institutioneller Seite nicht zu beobachten. Die Hauptlehre für die betroffenen Anleger hieß Diversifikation: Da Hedge-Funds höhere Risiken eingehen können, ist eine breite Streuung eminent wichtig. Der Anleger soll zum einen in verschiedene Stilrichtungen und Märkte und zum anderen auch geographisch gestreut investieren sowie auch innerhalb der Stilrichtungen auf verschiedener Manager setzen. Die zweite Konsequenz aus den Ereignissen rund um den LTCM-Fund ist eine deutlich gestiegene Tendenz zur Offenlegung der Geschäftsaktivitäten. Natürlich kann diese nicht so weitgehend sein wie bei einem klassischen Anlagefunds. Die Kenntnis des Marktes über laufende Arbitrage-Transaktionen würde die Gewinnerzielung erschweren oder gänzlich verhindern.

Dennoch zeigen regelmäßige Veröffentlichungen von historischen Portfolioaufstellungen und -transaktionen, dass die Transparenz deutlich zugenommen hat. Letztlich hat der Markt den Fundsmanagern das außerordentliche Risiko von extrem hohem Fremdkapitaleinsatz in Kombination mit der Anlage in wenig liquide Wertpapiere vor Augen geführt. Diese Erfahrung hat zu einem neuen Bewusstsein geführt. Entweder wird bei Investitionen in wenig liquide Anlagen mit weniger Fremdkapital gearbeitet als zuvor oder bei unverändert hohem Fremdkapitalanteil verstärkt auf die kurzfristige Veräußerbarkeit der Anlageobjekte geachtet. Trotz der Turbulenzen konnte im Gesamtjahr 1998 der Hedge- Fund Weighted Composite Index um 2,6 Prozent zulegen. Vor dem Hintergrund, dass der Hedge-Fund-Subindex für osteuropäische aufstrebende Märkte im gleichen Zeitraum fast 64 Prozent einbüßte, wird die elementare Bedeutung von Diversifikation bei der Hedge-Funds-Anlage besonders deutlich.

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