Volkswirtschaftliche Funktionen

Artikel bei Fonds

15-04-2005
Die Initiatoren des Gesetzes über Kapitalanlagegesellschaften führten bereits im Jahr 1953 zur Begründung an: "Wenn das Investmentsparen die erhoffte Verbreitung gewinnt, so werden in zunehmendem Maße weitere Bevölkerungskreise an Bestand, Zuwachs und Erträgen des Produktionsvermögens der Wirtschaft beteiligt. Hierdurch wird einerseits die private Eigentumsbildung und damit das Gefühl der Mitbeteiligung und Mitverantwortung am wirtschaftlichen Geschehen gefördert. Zum anderen ist zu erwarten, daß bei einer Ausweitung des Investmentsparens auch neue Kapitalquellen für Investitionen und Rationalisierungsmaßnahmen der Wirtschaft erschlossen werden." Der Auftrag der Investment-Gesellschaften ist damit seit Anbeginn umrissen. Er besteht im wesentlichen in einer sozialpolitischen, finanzierungs- und kapitalmarktpolitischen Funktion. Sozialpolitische Funktion Bei der sozialpolitischen Funktion ist hinsichtlich der Beteiligung der Bevölkerung am Produktivkapital und der privaten Altersvorsorge zu unterscheiden. Ungeachtet zahlreicher gesetzlicher Förderungsmaßnahmen und praktizierter Modelle wurde im Laufe der 70er Jahre immer deutlicher, dass die Vermögensbildung breiter Schichten im Bereich des Produktivvermögens noch ebenso unzureichend war wie Mitte der 50er Jahre. Frühere gesetzliche Maßnahmen im Bereich der Vermögensbildung hatten zwar zu einer verstärkten Geldkapitalbildung der privaten Haushalte beigetragen, der Anteil von Beteiligungswerten am Gesamtvermögensbestand blieb jedoch weiterhin unzureichend. Eine aktivere Beteiligung an der Bildung von Produktivkapital ist jedoch für die Erhaltung der sozialen Marktwirtschaft eine wichtige Garantie. Denn dadurch entfernt man sich vom ursprünglichen Kapitalismus und nähert sich mehr und mehr dem sog. "Volkskapitalismus". Die unzureichende Integration der Bevölkerung in die marktwirtschaftliche Ordnung und die unzureichende Verteilung des Produktivkapitals führten deshalb zu neuen politischen Bemühungen. Sie konnten 1987 mit dem 2. Vermögensbeteiligungsgesetz erfolgreich abgeschlossen werden. In dieser vermögenspolitischen Konzeption, die eine Schwerpunktverlagerung zum Beteiligungssparen brachte, spielt das Investmentzertifikat als außerbetriebliche Anlageform zu Recht eine herausragende Rolle. Politisch zeigte sich, dass mit dem ursprünglichen Konzept einer rein innerbetrieblichen Vermögensbildung - d. h. staatliche Förderung nur einer Beteiligung am Unternehmen des Arbeitgebers - die notwendige Gleichbehandlung aller Arbeitnehmer nicht erreichbar war, weil viele Unternehmen, freie Berufe und öffentliche Körperschaften zur Ausgabe eigener Beteiligungspapiere nicht in der Lage sind. Es bedurfte somit der staatlichen Förderung auch außerbetrieblicher Beteiligungsformen. Im Übrigen ist ohne die Einbeziehung außerbetrieblicher Beteiligungsformen die Tarifvertragsfähigkeit einer Vermögensbildungskonzeption nicht erreichbar. Die herausragende Rolle des Investmentzertifikats beruht in diesem Zusammenhang darauf, dass jede Investmentkonstruktion nicht nur das technische Know-how für die Vermögensverwaltung, sondern auch den unerlässlichen gesetzesorganisatorischen Rahmen und die Gewähr bietet, dass die Gelder der Anleger in deren ausschließlichem Interesse verwaltet werden. Unter den verschiedenen Sparmotiven spielt die Altersvorsorge eine herausragende Rolle. Zwischen dem Wunsch jedes Einzelnen nach größtmöglicher finanzieller Sicherheit im Alter und der Wirklichkeit klafft freilich nicht selten eine große Lücke. Dies gilt vor allem für den Fall, dass sich die Altersversorgung ausschließlich oder weitgehend auf die gesetzliche Rentenversicherung stützt, denn sie kann dem Einzelnen nur eine gewisse Grundversorgung bieten. Deshalb gewinnt - neben der betrieblichen Altersversorgung - die private Altersvorsorge mehr und mehr an Bedeutung, wobei das Interesse naturgemäß den in der Regel ertragreicheren, längerfristigen Anlageformen gilt. Der individuelle Vermögensaufbau ist in einem sozialen Rechtsstaat eine zwingende Notwendigkeit, wenn die zweifellos vorhandenen krassen Unterschiede in der Altersversorgung wenigstens teilweise abgemildert werden sollen. Überversorgung auf der einen und Unterversorgung auf der anderen Seite lassen sich auf Dauer kaum rechtfertigen. Daher muss es als eine dringende Aufgabe für die staatliche Sozialpolitik angesehen werden, die bestehenden Versorgungsgefälle abzubauen. Hierbei verdient das Investmentsparen besondere Aufmerksamkeit. Es hat sich gezeigt, dass beim langfristigen Sparen in Aktien-, Renten- und Immobilienfonds gute Ergebnisse erzielt werden. Denn es gilt allgemein der Grundsatz, dass der Kapitalertrag für den Anleger umso höher ausfällt, je enger die Beziehung zwischen Sparer und Kapitalverwender ist. Hier setzt die Dienstleistung Investment an, die über eine fachmännische Verwaltung der in einen Investmentfonds eingezahlten Gelder eine ertragreiche Anlage ermöglicht und zugleich die erwirtschafteten Erträge direkt ohne wesentliche Kosten - an den Sparer weiterleitet. Hinzu kommt der über Investmentfonds optimal auszunutzende Zinseszinseffekt. In einem Investmentfonds fallen ständig erwirtschaftete Erträge an, die sofort wieder zu den bestmöglichen Konditionen angelegt werden. Dies treibt - legt der Investmentsparer die ausgeschütteten Erträge wieder an - mit zunehmender Anlagedauer sein Investmentvermögen tendenziell immer stärker nach oben. Hat ein Anleger z. B. über regelmäßige Einzahlungen ein Investmentvermögen angesammelt, kann er bei Erreichen des Pensionsalters mit der Investmentgesellschaft einen Entnahme- bzw. Auszahlplan vereinbaren. Wichtig ist bei dieser Form der Altersvorsorge, dass das Investmentvermögen und seine Erträge den Erben erhalten bleiben, während Rentenzahlungen, beispielsweise einer verrenteten Lebensversicherungssumme, im Todesfall eingestellt werden. Insofern hat die Altersvorsorge durch Investmentsparen im Gegensatz zu manchen anderen Formen der Zukunftsvorsorge einen besonderen Stellenwert. Finanzierungspolitische Funktion Investment-Gesellschaften kanalisieren anlagebereite Spargelder und leiten sie an den Kapitalmarkt weiter. Sie erhöhen dadurch die Finanzierungskraft der Unternehmen und tragen somit zur positiven Entwicklung der Volkswirtschaft bei. Dem Bedarf an langfristigem Kapital steht nicht immer ein ausreichendes Angebot an langfristigen Mitteln gegenüber. Denn der Sparer ist geneigt, seine Ersparnisse eher kurz- bis mittelfristig anzulegen. Das Investmentsparen ist wiederum grundsätzlich langfristig konzipiert, obwohl es dem Sparer durchaus auch mittelfristige oder kurzfristige Engagements erlaubt. Investment-Gesellschaften transformieren nun anlagebereite kurz- und mittelfristige Gelder in langfristiges Kapital. Eine vergleichbare, von Banken übernommene Funktion der Fristentransformation ist häufig mit Risiken verbunden, wenn sie sich in großem Umfang auf dem Kreditsektor vollzieht. Durch die Investition der ihnen anvertrauten Mittel in einzelne Bereiche der Wirtschaft bieten Wertpapierfonds einen Finanzierungsbeitrag für die Unternehmen und den staatlichen Sektor, da sie neben dem Kauf bereits umlaufender Werte Neuemissionen aufnehmen. Letzteres geschieht nicht nur in der Form der Übernahme neu emittierter Anteile, sondern auch - da sie über Anteile an emittierenden Unternehmen verfügen - durch Ausübung der ihnen zustehenden Bezugsrechte, ferner über den Kauf von Bezugsrechten und den Erwerb von Verwertungsaktien sowie von Geldmarktpapieren. Durch die strengen Anlagevorschriften, verbunden mit vorhandenen Marktkenntnissen, ist eine Erweiterung der Finanzierungsbasis vor allem solcher Unternehmen gewährleistet, die über eine gesunde Unternehmensstruktur verfügen. Entsprechend der marktwirtschaftlichen Zielsetzung wird das Kapital zugleich an die Stelle gelenkt, an der es sich - insbesondere längerfristig gesehen - am höchsten rentiert. Kapitalmarktpolitische Funktion Von fundamentaler Bedeutung für die Kapitalversorgung einer Volkswirtschaft ist ein funktionsfähiger Wertpapierprimär- und -sekundärmarkt. Während am Primärmarkt neu emittierte Wertpapiere abgesetzt werden, ist Gegenstand des Sekundärmarktes der Handel bereits emittierter Papiere. Investment-Gesellschaften sind hier bedeutende Marktteilnehmer. Durch ihre Aktivitäten an der Börse leisten die Fonds einen wichtigen Beitrag zur Stärkung dieses Sekundärmarkts. Die Fondsverwalter müssen - da sie kraft Gesetzes im ausschließlichen Interesse ihrer Anleger zu handeln haben - die Mittelzuflüsse so rentabel wie möglich anlegen. Dies setzt ein hohes Maß an Flexibilität voraus, d. h. die Bereitschaft, sich ständig in der Anlagestrategie und -taktik den geänderten Marktverhältnissen durch Umschichtungen oder Variation ihrer Liquiditätsreserve anzupassen. Neben ihrem Beitrag zur Erhaltung des Sekundärmarktes üben Investmentfonds auch eine kapitalmarktstabilisierende Funktion aus. Der private Anleger verhält sich im allgemeinen prozyklisch, d. h. er kauft in der Hausse und verkauft in der Baisse. Da dieses Verhalten ein Massenphänomen ist, birgt es die Gefahr stark überhöhter oder zu niedriger Börsenkurse in sich, welche gegenüber Nachfrageänderungen entsprechend überzogen reagieren. Indem sie den jeweiligen Börsentrend verstärken, schaden sich die "prozyklischen" Anleger selbst. Derartige Einbußen kämen noch weitaus gravierender zum Tragen, wenn nicht die institutionellen Anleger, insbesondere auch die Investment-Gesellschaften, über ein bewusst antizyklisches Verhalten eine Ausgleichsfunktion ausübten. Internationalisierung der Wertpapieranlage Auf die besondere Bedeutung der durch die Investment-Gesellschaften bewirkten internationalen Kapitalbewegungen weist bereits die EG-Kommission in ihrem Bericht "Der Aufbau eines Europäischen Kapitalmarkts" von 1966 hin. Sie leisten damit auch einen Beitrag zu einer immer stärkeren Verflechtung der Kapitalmärkte innerhalb der Europäischen Gemeinschaft und mit denen von Drittländern. Es liegt auf der Hand, dass die Schwierigkeiten, denen der normale Anleger bereits beim Erwerb von heimischen Wertpapieren begegnet, beim Erwerb ausländischer Wertpapiere noch ungleich größer sind. Ist es schon nicht leicht, sich durch Bilanzen und Geschäftsberichte von Aktiengesellschaften des eigenen Landes hindurchzulesen, so ist dem normalen Kapitalanleger eine derartige umfassende Information bzgl. ausländischer Wertpapiere kaum möglich. Die Investment-Gesellschaften nehmen dem Anleger diese Aufgabe ab. Zwar fließt durch die Wertpapierkäufe deutscher Fonds im Ausland Kapital vom deutschen Kapitalmarkt ab, gleichzeitig bewirkt die zunehmende Internationalisierung des Wertpapiererwerbs jedoch auch eine wachsende Beteiligung ausländischer Anleger am deutschen Kapitalmarkt.

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