Was wird besteuert?

Artikel bei Erben und Schenken

15-04-2005
Was wird besteuert? Besteuerungsgrundlage ist bei der Erbschaftsteuer und der Schenkungsteuer jeweils der steuerpflichtige Erwerb. Als steuerpflichtiger Erwerb gilt die „Bereicherung“ des Erwerbers, soweit sie nicht steuerfrei ist. Hierzu gehört nicht der Zugewinnausgleichsanspruch. Zuerst wird das Rohvermögen, das beim Erwerber angefallen ist, ermittelt. Dazu werden die einzelnen Vermögensgegenstände mit dem Wert addiert, der sich für sie nach dem Bewertungsgesetz ergibt. Inländischer Grundbesitz – hierzu rechnen auch Betriebsgrundstücke – wird mit dem Grundbesitzwert berücksichtigt, den die Bewertungsstellen im Bedarfsfall auf den Zeitpunkt der Steuerentstehung für Zwecke der Erbschaft-/Schenkungsteuer gesondert feststellen. Die Wertermittlung ist unterschiedlich bei unbebauten bzw. bebauten und land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken.
  1. Der Wert unbebauter Grundstücke bestimmt sich nach der Fläche und dem Bodenrichtwert, den die Gutachterausschüsse der Gemeinden oder Kreise ermitteln. Der so ermittelte Wert wird noch um 20 Prozent gekürzt.
    1. Der Wert bebauter Grundstücke wird regelmäßig in einem so genannten Ertragswertverfahren errechnet. Der Ertragswert entspricht der Jahresnettokaltmiete im Durchschnitt der letzten drei Jahre x 12,5 abzüglich der Alterswertminderung (0,5 % für jedes Jahr seit der Bezugsfertigkeit, höchstens 25 %). Der so ermittelte Wert wird bei Ein- und Zweifamilienhäusern um 20 % erhöht. Wird das bebaute Grundstück nicht vermietet, sondern z. B. eigengenutzt, wird als übliche Miete eine Vergleichsmiete angesetzt. Der nach dem Ertragswertverfahren angesetzte Wert muss mindestens den Wert erreichen, den das Grundstück als unbebautes Grundstück hätte. Wird dieser Wert
    2. nicht erreicht, ist der Wert für das unbebaute Grundstück anzusetzen (vgl. Ausführungen zu 1.).
  2. Der Wert eines Betriebs der Land- und Forstwirtschaft (zu dem der Betriebsteil, der Wohnteil und ggf. Betriebswohnungen gehören) wird in der Regel in einem vereinfachten Ertragswertverfahren ermittelt. Auch der Grund und Boden, der zur landwirtschaftlichen oder forstwirtschaftlichen Nutzung verpachtet wird (so genanntes Stückland), wird regelmäßig nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren bewertet. Für dieses Verfahren wurden für die einzelnen landwirtschaftlichen und forstwirtschaftlichen Nutzungen bestimmte Ertragswerte ermittelt und festgelegt.
Dazu kommt der Wert des Wohnteils und gegebenenfalls der von Betriebs wohnungen. Deren Wert wird wie bei anderen bebauten Grundstücken ermit telt (vgl. Ausführungen zu 2.). Besonderheiten, die sich aus der Lage der Hof stelle ergeben, werden berücksichtigt. Im Ausland belegener Grundbesitz sowie die übrigen Vermögensteile werden grundsätzlich mit dem Verkehrswert (Preis, der bei einer Veräußerung zu erzielen wäre) angesetzt. Von dem „Roherwerb“ werden bei Erbfällen dann zur Erzielung des „Reinwerts des Erwerbs“ alle durch das Erbe übergegangenen Schulden und Lasten abgezogen, die als Nachlassverbindlichkeiten das Vermögen mindern. Das sind insbesondere die Schulden des Erblassers und die durch den Sterbefall entstandenen Kosten. Hierzu gehören auch die Kosten für die Bestattung einschließlich der landesüblichen kirchlichen und bürgerlichen Trauerfeiern sowie die Kosten der üblichen Grabpflege. Letztere können mit dem 9,3-fachen eines Jahresbetrages abgesetzt werden. Ohne Einzelnachweis werden 10 300 Euro als durch den Sterbefall entstandene Kosten abgezogen. Auch bei Schenkungen werden mit ihnen zusammenhängende Schulden bzw. Auflagen berücksichtigt. Bei den als gemischte Schenkungen bzw. Schenkungen unter einer Leistungsauflage bezeichneten Fällen ist allerdings, anders als beim Erwerb von Todes wegen, „Reinwert des Erwerbs“ der auf den unentgeltlichen Teil der Zuwendung entfallende anteilige Steuerwert des übertragenen Vermögensgegenstandes. Maßgebend für die Aufteilung in den entgeltlichen und den unentgeltlichen Teil der Zuwendung ist das Verhältnis des Verkehrswertes des Vermögensgegenstandes zur so genannten Leistungsauflage oder Belastung. In Fällen so genannter Nutzungs- oder Duldungsauflagen ist demgegenüber vom Steuerwert der Zuwendung die Auflage mit ihrem maßgeblichen Kapitalwert abzuziehen, soweit die Auflage nicht zu Gunsten des Schenkers selbst oder seines Ehegatten besteht. Der verbleibende „Reinwert des Erwerbs“ wird noch um die dem Erwerber zustehenden Befreiungen und Freibeträge gekürzt. Art und Höhe richten sich im Wesentlichen nach der jeweiligen Steuerklasse, in die der Erwerber fällt.
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